Der meistgelesene Kulturblog der Hauptstadt – mit Kurzkritiken zu Theater, Tanz, Performance, Oper, Kunst, Kino und Literatur: bemerkenswert, sehenswert, hörenswert.
The ultimate culture blog — reviewing theatre, dance, performance, opera, art, film and literature: most widely read and much valued. Find out what‘s on.
Scharf, spitz und auf dem Punkt. Jelinek und Stemann at its best. Eine fabelhafte Uraufführung mit Stemanns postdramatischer Textumsetzungsmaschinerie aus seinem Ensemble von Katrin Nottrodt (Bühne), Marysol del Castillo (Kostüme), den Musikern Thomas Kürstner und Sebastian Vogel; und den großartigen Spielern: Caroline Peters, Sebastian Rudolph, Branko Samarovski, Thiemo Strutzenberger, Azaria Dowuona-Hammond und Inge Maux.
Mit Geld kenne ich mich nicht aus, sagt Elfriede Jelinek, drum lasse ich Bär und Kuh, Ratte und Schwein, Dachs, Delphin, Taube zu Wort kommen. Allein, was die Schweine zu sagen haben, verkraften nicht viele im Punblikum. Die offene Form des Abend erlaubt es, jederzeit aus der Vorstellung zu gehen, was an dieser Stelle viele nutzen. Man spürt die Verstörung.
Burgtheater Wien Fr 04.09.2026 um 18:00 Uhr Mi 09.09.2026 um 18:00 Uhr Mo 14.09.2026 um 18:00 Uhr Mo. 21.09.2026 um 18:00 Uhr
Scharf, spitz und auf dem Punkt. Jelinek und Stemann at its best. Eine fabelhafte Uraufführung mit Stemanns postdramatischer Textumsetzungsmaschinerie aus seinem Ensemble von Katrin Nottrodt (Bühne), Marysol del Castillo (Kostüme), den Musikern Thomas Kürstner und Sebastian Vogel; und den großartigen Spielern: Caroline Peters, Sebastian Rudolph, Branko Samarovski, Thiemo Strutzenberger, Azaria Dowuona-Hammond und Inge Maux.
Mit Geld kenne ich mich nicht aus, sagt Elfriede Jelinek, drum lasse ich Bär und Kuh, Ratte und Schwein, Dachs, Delphin, Taube zu Wort kommen. Allein, was die Schweine zu sagen haben, verkraften nicht viele im Punblikum. Die offene Form des Abend erlaubt es, jederzeit aus der Vorstellung zu gehen, was an dieser Stelle viele nutzen. Man spürt die Verstörung.
»Kunst kommt von können,« … sagte Karl Valentin, und wer kann, der kann. Berlin kann nicht und muss sparen. Aktuell macht die Kultur einen Anteil von 2,1 % am Gesamthaushalt des Landes Berlin aus. Und davon sollen 2025 noch mal zwischen 110 bis 150 Millionen Euro eingespart werden. Was bedeutet das?
Die geplanten Kürzungen treffen alle: die großen Häuser, die kleinen Spielstätten, die freie Szene, die Literatur, die Bildende Kunst, den Tanz, die kulturelle Bildung, die Clubs und alle, die in Berlin im Kulturbereich tätig sind (das sind 8,2% der Erwerbstätigen).
Die Kulturschaffenden Berlins stehen solidarisch zusammen, um Kürzungen für den Kultursektor entschieden abzuwenden. Unterstützt wird die Petition des Deuten Bühnenvereins von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Daniel Barenboim, Simon Rattle, Kirill Petrenko, Frank Castorf, Nina Hoss, Katharina Schüttler, Fritzi Haberlandt, Lars Eidinger, Ulrich Matthes, Joachim Meyerhoff, Barrie Kosky, Michael Thalheimer, Sasha Waltz, Angela Winkler und viele andere
Nicht nur der Berliner Senat hat Kürzungen angekündigt, auch der Bundeskulturfonds im Bundeshaushalt 2025 eine Reduktion um 50 Prozent. Das könnte die kulturelle Vielfalt und Bildung in Deutschland erheblich beeinträchtigen.
»Kunst kommt von können,« … sagte Karl Valentin, und wer kann, der kann. Berlin kann nicht und muss sparen. Aktuell macht die Kultur einen Anteil von 2,1 % am Gesamthaushalt des Landes Berlin aus. Und davon sollen 2025 noch mal zwischen 110 bis 150 Millionen Euro eingespart werden. Was bedeutet das?
Die geplanten Kürzungen treffen alle: die großen Häuser, die kleinen Spielstätten, die freie Szene, die Literatur, die Bildende Kunst, den Tanz, die kulturelle Bildung, die Clubs und alle, die in Berlin im Kulturbereich tätig sind (das sind 8,2% der Erwerbstätigen).
Die Kulturschaffenden Berlins stehen solidarisch zusammen, um Kürzungen für den Kultursektor entschieden abzuwenden. Unterstützt wird die Petition des Deuten Bühnenvereins von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Daniel Barenboim, Simon Rattle, Kirill Petrenko, Frank Castorf, Nina Hoss, Katharina Schüttler, Fritzi Haberlandt, Lars Eidinger, Ulrich Matthes, Joachim Meyerhoff, Barrie Kosky, Michael Thalheimer, Sasha Waltz, Angela Winkler und viele andere
Nicht nur der Berliner Senat hat Kürzungen angekündigt, auch der Bundeskulturfonds im Bundeshaushalt 2025 eine Reduktion um 50 Prozent. Das könnte die kulturelle Vielfalt und Bildung in Deutschland erheblich beeinträchtigen.
»Die Menschen sterben und sie sind nicht glücklich,« sagt Caligula am Anfang des anderthalb stündigen Abends. Er stellt das fest, aber glauben können wir ihm an keiner Stelle, dass er nur »ein wenig glücklich sein möchte.« Constanze Beckers Caligula scheint im Trockengefrierverfahren jedes Leben und jede Menschlichkeit verloren zu haben. So sinnentleert die Figur von Mord zu Mord Richtung Selbstzerstörung stolziert, so wenig betrifft uns das, was auf der Bühne passiert. Antú Romero Nunes zielt hoch und stellt auch seinen Glauben an Theater, an Kunst in Frage. Sein groteskes Spektakel erzeugt Momente poetischer Absurdität und Kraft, wenn etwa die eben gemeuchelte Annika Meier virtuos wieder aufersteht. Das macht sie mit großer Verve. Aber anders als bei Richard III oder Orestie erreicht Nunes mit seiner Inszenierung die humanitäre Relevanz des Camus Textes nicht. »Wer alles versteht, handelt nicht«, heißt es am Ende. Und so verstehen wir vielleicht nicht Nichts, aber doch zu wenig.
Berliner Ensemble, Berlin Fr 29. September 2017 So 1. Oktober 2017 Mo 2. Oktober 2017 Di 10. Oktober 2017 Di 17. Oktober 2017 Mi 18. Oktober 2017 Mi 25. Oktober 2017 So 29. Oktober 2017 jeweils um 19:30
»Die Menschen sterben und sie sind nicht glücklich,« sagt Caligula am Anfang des anderthalb stündigen Abends. Er stellt das fest, aber glauben können wir ihm an keiner Stelle, dass er nur »ein wenig glücklich sein möchte.« Constanze Beckers Caligula scheint im Trockengefrierverfahren jedes Leben und jede Menschlichkeit verloren zu haben. So sinnentleert die Figur von Mord zu Mord Richtung Selbstzerstörung stolziert, so wenig betrifft uns das, was auf der Bühne passiert. Antú Romero Nunes zielt hoch und stellt auch seinen Glauben an Theater, an Kunst in Frage. Sein groteskes Spektakel erzeugt Momente poetischer Absurdität und Kraft, wenn etwa die eben gemeuchelte Annika Meier virtuos wieder aufersteht. Das macht sie mit großer Verve. Aber anders als bei Richard III oder Orestie erreicht Nunes mit seiner Inszenierung die humanitäre Relevanz des Camus Textes nicht. »Wer alles versteht, handelt nicht«, heißt es am Ende. Und so verstehen wir vielleicht nicht Nichts, aber doch zu wenig.
Berliner Ensemble, Berlin Fr 29. September 2017 So 1. Oktober 2017 Mo 2. Oktober 2017 Di 10. Oktober 2017 Di 17. Oktober 2017 Mi 18. Oktober 2017 Mi 25. Oktober 2017 So 29. Oktober 2017 jeweils um 19:30
Dieser Abend ist »Forced Entertainment«. Das Performance Kollektiv aus Sheffield macht seinem Namen alle Ehre. »Real Magic« bringt die großen Themen des Lebens auf den Punkt: Veränderung, Wandel, Umbruch. Und die Einschränkungen, die wir uns selbst auferlegen. Eine Metapher für Wegschauen, Grenzenschließen, Brexit.
Die Versuchsanordnung von »Real Magic« bewegt sich zwischen Spielshow und Zaubervorführung. Gedanken sollen gelesen werden. Eine winzige Szene aus dem Cabaret, die wir am Ende 36 Mal gesehen haben. Die drei Spieler Claire Marshall, Jerry Killick und Richard Lowdon zelebrieren in der Tradition Becketts die Absurdität des Scheiterns. Eine Niederlage nach der anderen wird vorgeführt. Ein Kandidat wird vorgeführt. Rollenwechsel.
Optimismus und Hoffnung bleiben bis zum Schluss. Und so ausweglos und unentrinnbar das Script, so sehr hofft man auf Erlösung. Eine pralle, rasend komische Show, bei der alle Beschreibungen scheitern müssen: Man muss »Real Magic« einfach sehen. Brillant.
Hebbel am Ufer, HAU2, Berlin
Fr 3. Juni 2016 um 20:30 h
Sa 4. Juni 2016 um 20:00 h
Show in English
Dieser Abend ist »Forced Entertainment«. Das Performance Kollektiv aus Sheffield macht seinem Namen alle Ehre. »Real Magic« bringt die großen Themen des Lebens auf den Punkt: Veränderung, Wandel, Umbruch. Und die Einschränkungen, die wir uns selbst auferlegen. Eine Metapher für Wegschauen, Grenzenschließen, Brexit.
Die Versuchsanordnung von »Real Magic« bewegt sich zwischen Spielshow und Zaubervorführung. Gedanken sollen gelesen werden. Eine winzige Szene aus dem Cabaret, die wir am Ende 36 Mal gesehen haben. Die drei Spieler Claire Marshall, Jerry Killick und Richard Lowdon zelebrieren in der Tradition Becketts die Absurdität des Scheiterns. Eine Niederlage nach der anderen wird vorgeführt. Ein Kandidat wird vorgeführt. Rollenwechsel.
Optimismus und Hoffnung bleiben bis zum Schluss. Und so ausweglos und unentrinnbar das Script, so sehr hofft man auf Erlösung. Eine pralle, rasend komische Show, bei der alle Beschreibungen scheitern müssen: Man muss »Real Magic« einfach sehen. Brillant.
Hebbel am Ufer, HAU2, Berlin
Fr 3. Juni 2016 um 20:30 h
Sa 4. Juni 2016 um 20:00 h
Show in English
In der Musik sind alle gleich. Das West-Eastern Divan Orchestra bringt 105 junge arabische und israelische Musiker zusammen und trotz damit den politischen Gräben im Mittleren Osten: ein Statement für ein friedliches Zusammenleben der Völker. Es gibt jetzt auch syrische Flüchtlinge im Orchester. Daniel Barenboim setzt politische Zeichen, sieht aber in seinem Projekt vor allem eine Schule des aufeinander Hörens. Dem spritzigen jungen Orchesterklang hört man das gegenseitige Zuhören an.
Nach drei Konzerten bei den Salzburger Festspielen kommt das Orchester nach Berlin, wo 22.000 Zuhörer in der Waldbühne in Berlin erwartet werden. Es gibt Werke von Pierre Boulez, Richard Wagner, Béla Bartók, Piotr Tchaikovsky und Arnold Schönberg.
Waldbühnenkonzert 2015, Berlin
Sa 15. August 2015
Es gibt noch Karten.
Lucerne Festival, Luzern
So 16 Aug 2015
Mo 17. August 2015
Royal Albert Hall, London
Di 18. August 2015
In der Musik sind alle gleich. Das West-Eastern Divan Orchestra bringt 105 junge arabische und israelische Musiker zusammen und trotz damit den politischen Gräben im Mittleren Osten: ein Statement für ein friedliches Zusammenleben der Völker. Es gibt jetzt auch syrische Flüchtlinge im Orchester. Daniel Barenboim setzt politische Zeichen, sieht aber in seinem Projekt vor allem eine Schule des aufeinander Hörens. Dem spritzigen jungen Orchesterklang hört man das gegenseitige Zuhören an.
Nach drei Konzerten bei den Salzburger Festspielen kommt das Orchester nach Berlin, wo 22.000 Zuhörer in der Waldbühne in Berlin erwartet werden. Es gibt Werke von Pierre Boulez, Richard Wagner, Béla Bartók, Piotr Tchaikovsky und Arnold Schönberg.
Waldbühnenkonzert 2015, Berlin
Sa 15. August 2015
Es gibt noch Karten.
Lucerne Festival, Luzern
So 16 Aug 2015
Mo 17. August 2015
Royal Albert Hall, London
Di 18. August 2015
»Ich hab mich gern und oft ausge- zogen; immer wenn mir nichts ein- fiel. Meine Schauspiellehrer sagten zu mir: Hör mal, Theater hat nix mit Exhibitionismus zu tun. Und ich antwortete: Wäre ich dann zum Theater gegangen?«
Herbert Fritsch
»Ich hab mich gern und oft ausge- zogen; immer wenn mir nichts ein- fiel. Meine Schauspiellehrer sagten zu mir: Hör mal, Theater hat nix mit Exhibitionismus zu tun. Und ich antwortete: Wäre ich dann zum Theater gegangen?«
»Heute, wo wir selbst beim Chinesen mexikanisch essen können, während im Hintergrund Reggae läuft und im Fernsehen gleichzeitig eine sowjetische Sendung über den Fall der Berliner Mauer, heute, wo uns alles so verdammt bekannt vorkommt, hat sich die Aufgabe des Realismus verwandelt.«
Foster Wallace
»Heute, wo wir selbst beim Chinesen mexikanisch essen können, während im Hintergrund Reggae läuft und im Fernsehen gleichzeitig eine sowjetische Sendung über den Fall der Berliner Mauer, heute, wo uns alles so verdammt bekannt vorkommt, hat sich die Aufgabe des Realismus verwandelt.«